60 Jahre Porsche 911: Das feiern wir mit einem Roadtrip!

Porsche Schweiz lädt zu einer dreitägigen Geburtstagsparty, um den Sechzigsten des Porsche 911 zu feiern. Da lässt sich SPIRIT nicht lange bitten. Text Patrik Hellmüller  | Foto Patrik Hellmüller und Porsche […]

Porsche Schweiz lädt zu einer dreitägigen Geburtstagsparty, um den Sechzigsten des Porsche 911 zu feiern. Da lässt sich SPIRIT nicht lange bitten.

Text Patrik Hellmüller  | Foto Patrik Hellmüller und Porsche Schweiz

Einladung zum Sechzigsten. Ein gepflegter Abend mit sorgfältig ausgewählten Weinen, netten Gesprächen – vielleicht etwas Jazzmusik. Mitnichten. Eine rauschende Party über drei Tage!

Kein Wunder, denn unser Geburtstagskind ist erwiesenermassen forever young. Es versprüht die unbändige Lebens- und Abenteuerlust eines Teenagers, der gerade beschlossen hat, die Welt zu erobern! Zwar hat unser Jubilar wie viele Sechzigjährige figurtechnisch da und dort etwas zugelegt. Allerdings sprechen wir hier nicht von Fettpölsterchen, sondern von kontinuierlich aufgebauter Muskelmasse.

Porsche Schweiz hat zur Party geladen, um den 60. Geburtstag der Sportwagenikone Porsche 911 zu feiern. Wir treffen uns im noblen Grand Resort Bad Ragaz. Aber keine Angst, zu distinguiert wird es nicht zu und her gehen. Das machen die liebevoll dekorierten Porsche 911 in der Einfahrt des Fünfsternehotels klar, die uns mit einem Augenzwinkern empfangen. Ballone, Girlanden, Konfetti und Party-Tröten, alles da. Den froschgrünen 911 T aus der aktuellen Modellpalette ziert ein Sticker mit der Aufschrift «Alles Gurke zum Geburtstag», auf dem roten Renner 911 GT3 aus der Baureihe 996 heisst es «Hetz mich nicht, ich bin Ü60» und der 997 Speedster trägt neckische Partyhütchen. Da bleibt mir nur ein «Cheers and Beers to 60 Years».

Keine Ausstellungsstücke, sondern Fahrzeuge

Während ich die andern Geburtstagsgäste kennenlerne, darunter die Porsche-Rennfahrer Jörg Bergmeister und Neel Jani, wird die Dekoration bereits von den Autos entfernt. Die acht Porsche 911, die Palette reicht vom G-Modell bis zum aktuellen GT3 RS, begleiten uns die nächsten drei Tage auf unserem Roadtrip. Der Autor, bisher nicht sehr erfahren im Bewegen von Porsche, nimmt im vergleichsweise zahmen 993 mit Tiptronic Platz – ideal, um sich auf der ersten verkehrsreichen Etappe auf den Roadtrip einzustimmen. Schliesslich werde ich im Verlauf der Reise alle acht Sportwagen fahren.

In Davos machen wir einen ersten Zwischenstopp. Nach einem schnellen Espresso suchen wir uns einen andern 911 aus. Für einen Moment fühlen wir uns ein bisschen wie beim Stopptanz an einem Kindergeburtstag. Dieses Spiel, bei dem man sich, nachdem die Musik ausgeht, einen Stuhl schnappt. Nur, dass es immer einen Stuhl zu wenig hat und somit jemand stehen bleibt. Wir haben glücklicherweise genügend Stühle – pardon! –  Porsche 911. Ich sichere mir den 996 GT3. Eine gute Wahl, wie sich auf der kurvenreichen Strecke in Richtung Lenzerheide herausstellt. Der GT3 ist ein recht rauer Geselle. Nach dem Starten rumpelt der Motor rustikal im Heck. Der willgar nicht erst auf piekfein machen – das ist mir sympathisch. Nachdem ich den spartanischen Porsche erstmals über 6000 U/min gedreht habe, ist es um mich geschehen. Das ist also dieser berühmte Mezger-Motor! Vorbei die vornehme Zurückhaltung. «Hetz mich nicht, ich bin Ü60», längst vergessen. Der GT3 ist der einzige Porsche, den ich zweimal fahren werde. Ein Rennauto für die Strasse, ohne Schnickschnack – den finde ich gut. Spiegeleieraugen hin oder her.

Alpine Eleganz oberhalb Lenzerheide

In Lenzerheide steuern wir das Hotel Guarda Val an. Es liegt oberhalb des Dorfes im Weiler Sporz auf 1600 Meter über Meer. Der überstrapazierte Begriff Alpin-Chic wird diesem wunderbaren Kleinod nicht gerecht. Das Maiensässhotel verbindet Bündner Alptradition mit dezentem Luxus. Hier duftet es nach Fichtenholz, hier schmeicheln uns die sorgfältig platzierten Blumenarrangements, während draussen der Brunnen plätschert und die Kuhglocken bimmeln. Genau der richtige Ort, um den Adrenalinhaushalt nach dem Ritt im GT3 wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Nach einem wunderbaren Bündner Essen lassen wir den Abend bei Kaminfeuer in der Hotelbar ausklingen – natürlich stossen wir auf unser Geburtstagskind an.

 

Ab in die Backstube

Am nächsten Morgen kein Stopptanz. Diesmal wird uns ein Auto zugeteilt. In meinem Fall der 997 Speedster. Wie der 993 und der GT3 stammt er aus dem Porsche Museum. Es handelt sich hier nicht um eines der 356 Serienmodelle, sondern um ein Vorserienmodell. Das hält mich nicht davon ab, auch diesen 911er auszukosten. Einige Zwischenstopps später, immer mit Fahrzeugwechsel verbunden, essen wir auf der Schwägalp zu Mittag und landen schliesslich in St.Gallen in einer Konditorei. Unter kundiger Anweisung legen wir selbst Hand an und verzieren zwei Geburtstagstorten, um diese danach sofort anzuschneiden. Happy Birthday!

Der mit dem Flügel

Auf der letzten Etappe steht mir eine besondere Prüfung bevor. Der aktuelle 911 GT3 RS. Ein Auto, das ich gemieden hatte. Nicht etwa aus Ehrfurcht, sondern weil ich diesen Über-911 stets mehr als optische Zumutung, denn als aerodynamische Meisterleistung, die er zweifelsohne ist, wahrgenommen habe. Er scheint direkt einem Transformers-Film entsprungen zu sein. Am meisten stört mich seine Humorlosigkeit. Dieser verbissene Leistungswille, der sich im mannshohen Heckflügel manifestiert.

Nun gut, das Auto war am Vorabend als technologische Speerspitze angepriesen worden. Die eindrücklichen Werte bezüglich des Anpressdrucks und die Insiderinformationen von Jörg Bergmeister, der bei der Entwicklung involviert gewesen war, bewegen mich dazu, mein Bild zu korrigieren. Auch der Ü-60-Sticker am Heck, der immerhin eine Prise Humor beisteuert, stimmt mich versöhnlich. So ganz wohl ist mir trotzdem nicht, als ich mich ins Cockpit einfädle – zumal das publikumswirksam auf dem von Ausflüglern bevölkerten Dorfplatz von Appenzell geschieht.

Einmal drin und den Sportmodus aktiviert, macht mir der Wagen – ich gebe es zähneknirschend zu – unanständig viel Spass. Ansatzweise erahne ich, wozu dieser Übersportwagen, dieses ingenieurtechnische Meisterstück fähig ist. Als ich allerdings in die Hotelauffahrt des Grand Resort Bad Ragaz einbiege, ist die Freude schnell wieder verflogen. Befindet man sich nicht gerade auf einer Rennstrecke, ist es unmöglich, einem solchen Transformers-Wagen würdevoll zu entsteigen. Als mir der livrierte Portier die Türe öffnen will, ist diese verriegelt. Ich brauche einige Sekunden zu lange, um den Entriegelungsschalter zu finden. Wie hätte ich mir in diesem Moment den eleganten 993 zurückgewünscht. Ob ich einen guten Tag gehabt habe, fragt mich der Portier. Ja, stammle ich mit hochrotem Kopf.

Ausklingen mitten in der Bündner Herrschaft

Dieses Intermezzo ist schnell vergessen, denn das Hotel wartet mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten auf. Ein weiteres Highlight ist das Abendessen im Restaurant Alter Torkel in Jenins. Hier geniessen wir mitten in den Reben der Bündner Herrschaft ein sensationelles Abendessen – und natürlich lokale Weine. Mittlerweile kennt sich die Geburtstagsgesellschaft schon recht gut – Gespräche genauso gehaltvoll wie die Bündner Weine.

Nach einer erholsamen Nacht im Grand Resort Bad Ragaz besammeln wir uns erneut vor dem Hotel. Nachdem wir den Porsche 911 gebührend im kleinen Rahmen gefeiert hatten, steht heute ein Event der Extraklasse auf dem Programm. Das Porsche Festival in Mollis, wo das 75-jährige Bestehen der Marke Porsche gefeiert wird. Unsere acht 911 sind Teil einer Sonderausstellung und werden von uns auf den Porsche-Stand gefahren. Nun heisst es, Abschied zu nehmen. Wir alle haben wohl ein Modell, das uns während der letzten Tage besonders ans Herzen gewachsen ist. In meinem Fall ist es der 996 GT3.

Das Porsche Festival böte Stoff für einen eigenen Beitrag. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Porsche-Familie ein unglaublich bunter Haufen ist. Was mir hier klar wird: Es gibt für jede und jeden den passenden Porsche.

Es war eine wunderbare Geburtstagsfeier! Wir haben es sehr genossen, mitzufeiern. Gleichzeitig sind wir gespannt, wie Porsche die Sportwagenikone 911 weiterentwickeln wird. Eine mögliche Richtung skizzieren die Prototypen Mission R sowie Vision 357 auf, die in Mollis zu sehen waren.