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Bei Ferrari denkt man unweigerlich an Renn- oder Sportwagen mit maximal zwei Plätzen. Etwas im Schatten stehen die 2+2-Modelle, die aber alles andere als Familienkutschen sind. Die Gran Turismo mit […]

Bei Ferrari denkt man unweigerlich an Renn- oder Sportwagen mit maximal zwei Plätzen. Etwas im Schatten stehen die 2+2-Modelle, die aber alles andere als Familienkutschen sind. Die Gran Turismo mit Zwölfzylinder werden meist unterschätzt – doch nicht von Beat Walti, der sich vor 20 Jahren damit einen Traum erfüllte.

Text Beat Walti | Fotos Christian Egelmair

MEHR PLATZ FÜR LEIDENSCHAFTÜber einen Ferrari zu schreiben, ist nie ganz einfach. Noch schwieriger wird es, wenn es der eigene ist. Es gibt, vielleicht ausser Porsche, vermutlich keine Automarke, über welche so viel geschrieben worden ist wie über Ferrari. Ein Superlativ jagt den nächsten und einzelne Modelle haben längst mythischen Status erlangt. Die wenigsten Menschen haben das Glück, einen 250 SWB zu fahren, geschweige denn zu besitzen. Sogar den in – für Ferrari-Verhältnisse – grösserer Stückzahl produzierten Modellen wie dem Daytona haftet der Nimbus des Unerreichbaren an. Ein guter Moment, um rasch zurück auf Terra Firma zu kommen: Ein von 1964 bis 1967 gebauter Ferrari 330 GT gehört nicht zu diesem erlauchten Klub! Obwohl er alles hat, was einen 1960er-Jahre Ferrari ausmacht: Zwölf Zylinder, Renn-Gene, Sound, Leistung, Eleganz und so weiter. Er hat aber eben auch von etwas zu viel. Und zwar Plätze.

MEHR PLATZ FÜR LEIDENSCHAFTDer Erfolg des 250 GTE 2+2 als erstem Vierplätzer aus Maranello nötigte Ferrari, einen vergleichbaren Nachfolger anzubieten. Das wurde der 330 GT, der mit dem neuen Vierliter-V12 (Tipo 209) ausgerüstet war, der als Neukonstruktion gilt, aber zur Colombo-Familie gezählt wird. Das Zylindervolumen belief sich auf je 330 Kubik, daraus resultierte der Name. Sogar 50 GTEKarosserien wurden noch mit dem neuen Motor ausgerüstet und als 330 America angeboten, quasi als Übergangsmodell bis Jahresende 1963. Dann folgte das neue 330-Design von Pininfarina und unterschied sich vor allem wegen der Doppelscheinwerfer – genannt «Chinese Eyes» – deutlich vom Vorgänger. So deutlich, dass nach nur 18 Monaten auf Einzelscheinwerfer zurückgerüstet wurde. Trotzdem verkaufte sich die zweite Serie mit rund 460 Stück etwas schlechter als die Erstauflage mit 625 Exemplaren.

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Baujahr 1965–1967
Motor 3967 ccm, V12, 3 Weber-Doppelvergaser 40 DCZ/6, DOHC
Leistung 300 PS bei 6600 U/min
Drehmoment 325 Nm bei 5000 U/min
Kraftübertragung manuelles Fünfganggetriebe, Hinterradantrieb
Länge/Breite/Höhe 4840/1715/1360 mm
Gewicht 1380 kg (leer)
Verbrauch ca. 18–20 l/100 km
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h in ca. 7 s
Produktion ca. 460
Preis 51’500 CHF (1966)