SPINTO VELOCE: Lamborghini Miura P400 SV

Der Lamborghini Miura gilt als eines jener Autos, welche über all die Jahre hervorragend zu rollenden Legenden herangereift sind. Ein Auto, wohlgemerkt, das Ferruccio Lamborghini eigentlich gar nicht bauen wollte. […]

Der Lamborghini Miura gilt als eines jener Autos, welche über all die Jahre hervorragend zu rollenden Legenden herangereift sind. Ein Auto, wohlgemerkt, das Ferruccio Lamborghini eigentlich gar nicht bauen wollte.

Dieser sonnige Mittwochmorgen in Toffen sollte etwas Besonderes werden. Christian Traber von der Graber Sportgarage hat einen Kunden motiviert, für SPIRIT seinen Stier wieder einmal aus dem Stall auf die Weide zu lassen. Und es war nicht übertrieben, als man uns sagte, dass das Auto in Concours-Zustand sei. Der einzige Makel, welcher mir auffällt, sind die zahlreichen Insekten, die sich auf dem orangenen Italiener tummeln, wohl in der Meinung, hier gebe es etwas Nektar abzustauben. Nicht nur ich bin von dem geschichtsträchtigen Stier aus Sant’Agata mehr als beeindruckt – und augenblicklich schockverliebt.

Doch blenden wir zurück ins Jahr 1965, als die ersten Ideen für einen Mittelmotorsportwagen im Hause Lamborghini reiften. Firmengründer und -eigentümer Ferruccio wollte eigentlich lieber reisetaugliche Viersitzer bauen und damit dem «Nachbarhaus» Ferrari das eine oder andere Kundengeschäft streitig machen. Lamborghini hatte sich damals dazu entschlossen, dieses noch eher vage Projekt im Laufe der Zeit an vier junge Männer zu übergeben, welche alle noch nicht mal die dreissig überschritten hatten. Und ob es jugendlicher Leichtsinn war oder nicht: Die beiden Ingenieure Giampaolo Dallara (Chefkonstrukteur), Paolo Stanzani (Assistent von Dallara) und Testfahrer Bob Wallace hatten sich eine sehr hohe Messlatte gesetzt. Sie wollten einen Rennwagen für die Strasse bauen. Oder zumindest das, was man heute, nicht zuletzt wegen des Miura, einen Supersportwagen nennt.

VERRÜCKT!
Der Miura war eine Herausforderung ungeahnter Dimension, gerade deswegen, weil das Auto auch noch sehr kompakt sein sollte. Im Vergleich zu heute: Ein aktueller Toyota GT86 ist zwar rund 10 Zentimeter kürzer, aber 15 Millimeter breiter und vor allem, volle 26 Zentimeter höher als ebendieser Miura, welcher schlussendlich in seiner ersten Evolutionsstufe als P400 gebaut wurde. In diesen bescheidenen Ausmassen sollte ein hauseigener V12 inklusive Fünfganggetriebe hinter den zwei Sitzen seinen Platz finden. Die Lösung war astronomisch kompliziert, aber eigentlich offensichtlich: Die Maschine musste quer hinter die Fahrerkanzel, für längs war schlicht kein Platz vorhanden. Und der Rest? Ja, da musste man sich noch was überlegen. Ein Designentwurf existierte zu Anfang noch gar nicht, das Chassis wurde, ganz nach Rennsportmanier, zuerst entwickelt. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Den ganzen Artikel gibt’s im SPIRIT-Magazin 04-2026.